GEDULD – ALS HÄTTE ICH ZEIT DAFÜR!

Der Weg zur Veränderung is nötig, um die Veränderung überhaupt erleben zu können.

Ich bin einer von den Menschen, die alles am liebsten sofort hätten. Und das bei kleinen bis zu grossen Beispielen; dass ich einfach essen kann, ohne zuerst zu kochen oder auch, dass ich bereits heute meine Berufung kenne und diese nicht erst herausfinden muss. Kennst du solche Situationen auch? Vielleicht wartest du auf deinen Traummann oder deine Traumfrau, der/die sich aber einfach noch nicht gezeigt hat?

Besonders ungeduldig bin ich dann, wenn es um meine inneren Prozesse geht. Da muss ich mich oft selber motivieren, dran zu bleiben und Gott zu vertrauen. Ich wünsche mir, die gewünschten Veränderungen sofort zu sehen.

Ich glaube aber, dass genau dieser Weg zur Veränderung nötig ist, um die Veränderung überhaupt erleben zu können. Gerne veranschauliche ich das anhand eines persönlichen Beispiels, als ich das Snowboarden gelernt habe. Seit ich zwei Jahre alt bin, fahre ich Ski. Im Winter ging ich jeweils zu meinen Grosseltern, die in einem Skigebiet im Berner Oberland wohnen und dort habe ich oft mit meinen Verwandten die Piste unsicher gemacht. Doch eines Tages fand ich, dass ich snowboarden möchte. Mein Grossvater unterstützte das, fand ein Board von meiner Tante im Keller und wir gingen direkt mit dem Sessellift auf einen Berg. Oben angekommen, befestigte ich das Board an meinen Füssen und los gehts. Haha! Ich konnte keine paar Sekunden auf dem Board stehen und es wurde das schlimmste Skierlebnis für meinen Grossvater und mich. Wir haben gemerkt, dass das anders angegangen werden musste. Zum einen brauchte ich ein passendes Board, mit dem richtigen Fuss vorne. Dann fuhr mich mein Grossvater Tag für Tag zu einem Kinderlift, an dem ich mich hinaufziehen liess und häb-chläb den Berg runterkam. Zuerst musste ich ein Gefühl fürs Board entwickeln, die Balance lernen. Das Bremsen lernen, sowie die Kurven – auf beide Seiten. Diese Zeit beschreibt mein Grossvater immer noch als unmöglich. Dass ich dieses Boarden lernen musste, statt einfach die Pisten gemeinsam zu geniessen….;) Aber schon die nächste Saison standen wir wieder gemeinsam auf der Piste und es machte sogar noch mehr Spass als zuvor. Ich musste zuerst das Boarden lernen, bevor ich Boarden konnte. So ist auch zuerst der Weg zur Veränderung nötig, bevor wir die Veränderung erleben können.

Wenn dann unser Ziel erreicht ist, haben wir viel mehr als nur das Ziel erreicht. Wir haben einen Weg hinter uns, der uns gelernt hat, zu kämpfen. 

Es passiert so viel auf diesem Geduldsweg; wir merken, was wir wirklich wollen, wir lernen, uns zu fokussieren. Manchmal erleben wir auch Rückfälle und brauchen Kraft wieder aufzustehen und weiter zu gehen. Aber das macht uns viel stärker. Ich bin gefühlte 100’000 Mal auf mein Steissbein gefallen, beim Versuch den Hügel runter zu kommen. Als ich mich dann mit der Zeit immer besser halten konnte, habe ich gemerkt, dass es sich lohnt, dran zu bleiben. Ich erlebte schlussendlich wieder den Spass mit meinen Verwandten auf der Piste und genoss das Gefühl zu fliegen. Wenn dann unser Ziel erreicht ist, haben wir viel mehr als nur das Ziel erreicht. Wir haben einen Weg hinter uns, der uns gelernt hat, zu kämpfen. Auch wenn der Weg nicht das angestrebte Ziel und manchmal steinig ist, gehört er trotzdem dazu. Guter Wein braucht schliesslich auch Zeit, um seinen Geschmack zu entfalten. Warum sollte es bei uns Menschen anders sein? ;) Auch wenn es schön ist, wenn sich ein Wunsch schnell erfüllt – das passiert ja durchaus auch manchmal – denke ich, dass Gott dieses Ausharren bewusst geschaffen hat. Denn dies bewirkt Veränderungen in unserem Charakter, wir wachsen in die Tiefe. Und diese Charakterstärken würden sich sehr wahrscheinlich nicht ergeben, wenn uns unsere Wünsche sofort erfüllt würden und uns alles zufliegen würde. Wir lernen, auch mal unsere Vorstellungen loszulassen. Wir lernen Vertrauen in Gott und wir lernen, dass seine Treue uns nie alleine lässt.

Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat.
Römer 8.37

Darum lass mich dich ermutigen, mit dir selber und deinem Umfeld Geduld zu haben. Und den Weg zum Ziel vielleicht sogar zu geniessen? Bleibe zuversichtlich und halte dein Ziel im Auge. Gott sieht dich und hilft dir.

  • Wo brauchst du gerade Geduld?
  • Bitte Gott um seine Perspektive und dass er dich ausharren lässt.
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