JETZT GILT’S ERNST 2/3

Ich wandte mich an Gott und sagte ihm: «Ich habe keinen Durchblick. Kann nichts kontrollieren.»

Ja, der Entscheid für Lauenen ist getroffen.
Ich erinnere mich noch an die Erleichterung und die Dankbarkeit, die ich empfand, nachdem wir uns entschieden hatten. Endlich Klarheit. Und gleichzeitig so viele neue Unklarheiten. Als hätten wir eine Tür geöffnet, nur um fest zu stellen, dass wir vor weiteren, neuen Türen stehen: Was passiert als Nächstes? Wen informieren wir nun? Wann gehen wir überhaupt? Müssen wir unsere Jobs kündigen? Werden wir uns in Lauenen überhaupt heimisch fühlen?

Unsere Herzen mussten diesen Entscheid erstmals ein paar Tage sacken lassen, Emotionen kommen und gehen lassen. Das nächste Wochenende war sowieso bei meinen Schwiegereltern in Lauenen geplant und wir wollten es ihnen zu diesem Zeitpunkt persönlich mitteilen. Am Tisch mit ihnen waren wir nervös, als wollten wir unsere Schwangerschaft verkünden. Ihre Reaktion war schön, sie freuten sich sehr und wir begannen auch schon zusammen zu besprechen, wie das Wohnen im selben Haus wohl aussehen würde.

Bald stellte sich auch heraus, dass der Einzug irgendwann im Herbst 2022 realistisch sein würde. Ich als Visualistin begann in Notizheften Abläufe aufzuzeichnen, wann was getan werden muss – beispielsweise die Wohnung zu kündigen, usw. Und ich fühlte mich so überfordert. Einmal das Leben komplett ändern: Nicht nur die Wohnung und den Standort wechseln, auch die Jobs – Neue waren noch nicht in Aussicht. Und dann natürlich die Geburt unseres Sohnes im Juli, die unser Familienleben sowieso verändern wird. Ich wandte mich an Gott und sagte ihm: «Ich habe keinen Durchblick. Kann nichts kontrollieren.» Und zusätzlich stiegen viele altbekannte Ängste in mir hoch: Werde ich wieder so Schwierigkeiten mit den Veränderungen haben? Habe ich die Kraft, wieder neue Freundschaften zu knüpfen? Ausserdem war auch das Autofahren eine grosse Herausforderung für mich und in Lauenen wäre ich auf ein Auto, und das fahren bei jeder Jahreszeit, angewiesen. Und Gott gab mir ein Bild, das mich noch heute begleitet: Ich sah einen Löwen mit mächtiger Mähne und ich konnte mich darin verstecken, meinen Arm um seinen Hals legen und er ging voraus und bahnte den Weg – ich konnte nur mitlaufen. Mein Herz wünschte sich genau das.

So viele Veränderungen mit solcher Ruhe und Gelassenheit und Führung zu erleben, hat so viele Wunden der Vergangenheit verbunden und geheilt.

Und auf WUNDERbare Weise bekamen wir beide Jobs, in denen wir heute gerne arbeiten. Wir mussten nie Stellenausschreibungen studieren und aktiv Bewerbungen schreiben. Wir beide wurden durch Familie und Freunde empfohlen und durften einfach Kontakt aufnehmen mit den jeweiligen Arbeitgebenden.

Da der Geburtstermin im Juli war, wollte ich möglichst alle Einkäufe für Möbel vorher erledigen und nach der Geburt bis zum Umzug möglichst die Zeit mit Baby und Kleinkind geniessen, ohne Stress um Besorgungen. Ich war froh um eine gute und genaue Planung. Und immer, wenn der Stress überhand nehmen wollte, dachte ich an das Bild mit dem Löwen und mein Herz wurde ruhig.

Die Geburt war nach meiner ersten, etwas schwierigen Geburt auch ein grosses Thema, das mich beschäftigte. Ich hatte auch für diese Geburt eine Liste geschrieben (ja, ich mag Listen), was ich alles wollte und was mir wichtig war. Unter anderem wollte ich möglichst lange zu Hause bleiben. Meine Hebamme ermutigte mich, alles für eine Hausgeburt vorzubereiten, denn viele Frauen wollen ab einem gewissen Zeitpunkt im Geburtsprozess nicht mehr den Standort wechseln. Etwas skeptisch liessen wir uns darauf ein, immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, irgendwann ins Spital zu gehen.
Unser Sohn liess auf sich warten, ich hatte etwa zwei Wochen jeden Abend Wehen, bevor die Geburt tatsächlich losging. Meine Hebamme betete seit der ersten Untersuchung der Schwangerschaft für unser Baby und die Geburt. Und manchmal war die eigentliche Untersuchung viel mehr heilendes Gebet als Untersuchung. So auch an diesem Tag. Irgendwie hatte ich eine Muttermundblockade, sie konnte diese mit Gebet und Massage lösen. Am selben Abend platzte das Fruchtwasser und nur vier Stunden später hielten wir unseren schönen Sohn in den Armen. Eine Hausgeburt. Da es so zügig vorwärts ging, wollte ich tatsächlich nicht ins Spital verschieben und bin bis heute meiner Hebamme (Praxis Baby im Bauch, Steffisburg) von Herzen dankbar für ihren Zuspruch, ihr Zutrauen und ihre Unterstützung. Für mich ist diese Geburt ein Wunder und Geschenk Gottes.
Trotz Angst vor dem zweiten Wochenbett, darf ich auf eine schöne Zeit zurückblicken, die mir so viel Heilung brachte.

Zwei grosse Punkte bei einem Umzug sind bekanntlich auch das Putzen und der Umzugstag selber. Und auch diese Ereignisse wurden mir geschenkt. Meine Eltern kamen einen Tag putzen und eine Freundin und meine Gotte (Patentante) haben sich für einen Putztag angeboten. Alles andere managte mein Ehemann. Ich putzte genau ein Küchenschränkli und eine Schublade. Crazy. Der Umzug organisierte mein Mann und mit Hilfe von Familie und Freunden wurde alles gezügelt. Sogar das Kochen für die Helfenden wurde für mich übernommen, meinem Schwiegermami sei dank.

Wenn ich das alles aufschreibe, bin ich gerührt. Beeindruckt. Von all den lieben Menschen, die uns so grossartig unterstützt haben in Entscheidungsfindung, Schwangerschaft, Geburt, Kündigungen, Jobsuche, Wohnungsputz, Umzug, Umbau… Ich bin sprachlos. Am meisten gerührt bin ich, weil Gott immer treu war und wirklich mein Löwe war. Ich konnte tatsächlich überall nur mitlaufen. Vom neuen Job (durch die Empfehlung eines Freundes), über die Geburt und den ganzen Umzug mit allem drum und dran. Für mich war das Jahr 2022 ein grosses Geschenk mit zusätzlich vielen kleinen Päckli drin.

So viele Veränderungen mit solcher Ruhe und Gelassenheit und Führung zu erleben, hat so viele Wunden der Vergangenheit verbunden und geheilt. Und lässt mich vertrauen, was auch vor mir liegen mag.

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Livia
Livia
6 Monate vorher

♥️ ermuetigend u inspirierend, danke Lari!

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