KONTROLLE – GUT ODER SCHLECHT?

Ich musste mich wieder neu kennen lernen und durfte erleben, wie ich mehr aushalten konnte, als ich mir zutraute.

Ich hatte ein besonders prägendes Erlebnis in meinem Leben, bei dem ich dachte: «Gott, wo bist du?!» Hast Du dich das auch schon gefragt? Ob Gott einfach wegschaut oder sogar zuschaut, aber nicht handelt?

Bevor ich mein Erlebnis erzähle, möchte ich zuerst kurz was über die Kontrolle schreiben,
damit meine Geschichte richtig verstanden wird:

Kontrolle heisst auch Beherrschen. Es gibt ein gutes und gesundes Kontrollieren, beziehungsweise Beherrschen. Es ist wichtig, unsere Taten und Handlungen im Griff zu haben und über sie zu herrschen. Dass es verschiedene Gefühle gibt, ist ganz klar. Gefühle sind auch nichts schlechtes. Manchmal sind wir traurig, manchmal überglücklich. Manchmal stinkwütend und manchmal wissen wir auch gar nicht so genau, wie wir uns fühlen sollen. Aber wie wir daraus handeln, ist das Entscheidende. Wir können entscheiden, bzw. kontrollieren, welchen Gefühlen wir Handeln schenken und welche wir als Gefühl stehen lassen. Die Bibel spricht beispielsweise in den Sprüchen davon:

Wer ruhig bleibt, hat viel Verstand,
​doch wer aufbraust, zeigt nur seine Unvernunft.
Sprüche 14.29

Anderseits, wenn es darum geht, Gott zu gehorchen, müssen wir unsere Kontrolle ablegen. Da dürfen wir ihm mehr vertrauen als unserem Urteilsvermögen. Und da lerne ich ständig dazu.

​Im vorherigen Blog habe ich davon geschrieben, in der Ruhe und im Frieden zu bleiben und ausdauernd an Gott festzuhalten. Leider hatte diese Geschichte mit der Ruhe in mir nicht nur Positives ausgelöst. Ich habe davon geschrieben, wie ich viele Dinge absagen musste, weil ich keine Energie mehr hatte.  So habe ich mir bewusst oder unbewusst einige Verhaltensmuster angelegt. Beispielsweise, mindestens acht Stunden zu schlafen, nur einen Abend pro Woche für einen Termin zu verplanen usw. Dies waren hilfreiche Strategien, damit ich wieder Ruhe finden konnte und es war auch wichtig für mich, diese während dieser Zeit strikt zu befolgen. Jedoch wurde mein Energiespeicher stetig grösser und ich wollte wieder lernen, diese Schutzstrategien abzulegen und in grösserer Freiheit zu leben. Ich musste mich wieder neu kennen lernen und durfte erleben, wie ich mehr aushalten konnte, als ich mir zutraute. Das war sehr schön. Aber wie so oft, war auch dies ein Prozess. Und zwar die Kontrolle an Gott abzugeben.
Ich hatte gemerkt, wie ich mich innerlich stets überprüfte und alle meine Pendenzen im Überblick behalten wollte. «Ich will es ja nie mehr soweit kommen lassen, wie damals.» So habe ich mich zu einem ziemlichen Kontrollfreak entwickelt. Jeden Abend, wenn ich im Bett lag, rief ich alle meine Pendenzen innerlich ab, überlegte mir schon die Mail- und WhatsApp-Texte, die ich am nächsten Tag schreiben wollte, plante die nächsten Ferien mindestens fünfmal und dachte darüber nach, was ich am nächsten Tag zu essen kaufen möchte, was wir bereits im Kühlschrank hatten und was ich noch dazu einkaufen musste, hing innerlich bereits die Wäsche ab, die ich am übernächsten Tag waschen wollte usw. Während dieser Zeit habe ich ein prägendes Erlebnis mit Gott gehabt:

Mein Glaube und mein Vertrauen wurden durch dieses Erlebnis tiefer. Ich kann Gott vertrauen, weil er es so gut meint und näher ist, als ich denke.

Eines Morgens wurde ich mir meiner ungesunden Kontrolle bewusst und brachte sie vor Jesus. Ich fragte ihn, wo das angefangen hatte. Er zeigte mir die Momente, als ich mir alleine vorkam. Die Momente im Jahr 2014, als ich merkte, dass alles zu viel wurde und ich dachte, ich muss alles alleine schaffen und stemmen. «Aber war das nicht so? War ich nicht alleine?» Und Jesus zeigte mir besonders Mättu und meine Eltern, die für mich da waren und mich unterstützten. «Aber wo warst du in diesen Momenten, Gott? Ich weiss, du hast die Macht über alles und für dich wäre es ein Kleines gewesen, den Druck sofort wegzunehmen. Aber du hast ja nicht eingegriffen. Wo warst du?». Und ich sah vor meinem inneren Auge folgendes Bild: Wie ER mit weit ausgebreiteten, starken Armen hinter mir war. Wie ER in den Knien stand, als würde er kräftigem Wind ausgesetzt sein. Wie SEIN Gesicht unter Anstrengung verzerrt war. Wie SEINE Augen und Lippen voller Konzentration zusammengepresst waren. Wie ER kämpfte für mich. Wie ER das Burnout abgehalten hat, damit es nicht zu mir duchkommen konnte.

Wow! Da gibt es nichts mehr zu sagen. Ich weinte und war berührt von seiner Hingabe. Ich entschuldigte mich, dass ich ihm unterstellt hatte, dass er nicht eingegriffen habe. Und dass ich gedacht hatte, dass ich alleine sei. Aber er war da, näher als ich dachte! Gott schaut nicht untätig zu! Er ist immer gut und immer besser als wir denken! Einmal mehr! :›)

Nun sah ich innerlich meine Mauer der Kontrolle fallen. Sie stürzte ein und ich war so froh. Denn ich hatte mir gewünscht, dass sie nicht mehr existierte! Ich wollte nicht mehr kontrollieren und mir ständig so viele Gedanken machen, weil mich das eingeengt hat. Und hinter dieser Mauer kam eine grüne Wiese zum Vorschein, mittendrin ein dreistöckiger Brunnen aus dem frisches Wasser sprudelte. Ich ging hin und trank und ich wurde so erfrischt! Jeder Schluck stärkte meinen Glauben an Gott und mein Vertrauen in ihn. Mein Glaube und mein Vertrauen wurden durch dieses Erlebnis tiefer. Ich kann Gott vertrauen, weil er es so gut meint und näher ist, als ich denke. Und du? Vertraust du Gott, dass er mitten in deiner Situation ist und näher als du denkst?

Glücklich sind alle, die in deinem Haus wohnen dürfen!
Jederzeit können sie dich loben!
Glücklich sind alle, die ihre Stärke in dir suchen,
die gerne und voll Freude zu deinem Heiligtum ziehen.
Wenn sie durch ein dürres Tal gehen,
brechen dort Quellen hervor,
und der Herbstregen bewässert das trockene Land.
So wandern sie mit stets neuer Kraft,
bis sie vor Gott auf dem Berg Zion stehen.
​Psalm 84, 5-8

Wagst du es, die Kontrolle über deine Lebensumstände abzugeben?

Mehr zum Thema Durchhalten findest du im Beitrag «Geduld – als hätte ich Zeit dafür!«

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