RUHE UND FRIEDEN

Ich musste diese Unruhe während dieser Zeit akzeptieren, denn sonst wäre ich frustriert oder verbittert geworden. Ich musste vertrauen, dass Gott mich trägt und nicht fallen lässt.

Der Herr wird seinem Volk Kraft geben;
der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden.
Psalm 29:11

​Was für eine Zusage! Sein Volk wird Kraft erhalten und Frieden bekommen. Wie wertvoll diese Dinge sind, erkennen wir wahrscheinlich erst, wenn sie uns fehlen..

​Ich bin ein Mensch, der sehr gerne Neues hat und sich schnell begeistern kann. Vor einigen Jahren musste ich aber lernen, dass auch ich und meine Kräfte Grenzen haben. Ich bin im Jahr 2014 an einen neuen Wohnort in eine Wohngemeinschaft mit neuen Freunden gezogen. Wir hatten die Vision, uns an diesem Ort an die Menschen zu verschenken, beispielsweise mit Besuchen im Asylheim. Ich habe meine Arbeitsstelle gewechselt und neu einen Freund gehabt, der aber an einem anderen Ort gewohnt hat. So hat sich sehr vieles zur selben Zeit verändert. Gleichzeitig hatten wir bei meiner Arbeit eine intensive Zeit und ich arbeitete viel. So habe ich wenig Zeit für mich und mit Gott gehabt und dachte auch nicht, dass mir das fehlen würde – es hat ja schliesslich bis zu dieser Zeit auch immer alles geklappt. Am Anfang war ich öfters müde, mit der Zeit kam eine gewisse Unruhe dazu. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr, Dinge zu unternehmen und konnte nicht mehr gut schlafen. Die innere Unruhe wurde stärker und ich wusste, dass ich eine Pause brauchte. So habe ich eine Ferienwoche spontan vorgezogen und meine Eltern haben sich Zeit genommen, mit mir wandern zu gehen und an der frischen Luft zu sein. Ich entschied mich zwei Wochen zu meinen Eltern zu ziehen, um dort zur Ruhe zu kommen. Diese Wochen haben mich etwas entspannt und ich zog zurück in die WG. Doch die innere Unruhe war nie ganz weg und ich konnte keinen Frieden finden. Ich begann täglich um Ruhe zu beten, verbrachte Zeit mit Gott, las in der Bibel und sehnte mich nach Frieden. Die Zeit verging: Mättu machte mir einen Heiratsantrag, ich zog aus der WG aus, verliess das Visionsteam, heiratete im Jahr darauf (2016) und wir zogen nach Thun. Aber erst zwei Jahre nach dieser stressigen Phase, hatte ich wieder die Ruhe verspürt, mit der ich gewohnt war zu leben.

Und diese zwei Jahre waren nicht einfach für mich. Ich habe mich früher als Person gekannt, die gerne mit Leuten Zeit verbrachte, die offen war und gescherzt hatte. Die viel Freizeit verplant hatte und oft unterwegs war. Und plötzlich konnte ich das alles nicht mehr tun, wie ich es gewohnt war. Ich war zu oft erschöpft, musste Dinge absagen und meine Ohren waren zu lärmempfindlich, um lange unter Leuten zu sein. Ich bekam rasch Kopfschmerzen. Zu Hause mochte ich kein Buch mehr lesen (was eigentlich ein grosses Hobby von mir ist), ich sass einfach da und tat gar nichts. Schwer vorzustellen, aber ich tat wirklich gar nichts. Manchmal hörte ich Musik, aber auch das verursachte mir mit der Zeit Kopfschmerzen. Ich las in der Bibel und war einfach bei Gott, aber verstand nicht mehr, wer ich wirklich war. Ich musste mich in dieser Zeit auf die Wahrheiten verlassen, die in der Bibel stehen und sie mir immer wieder aufsagen. Ich musste gleichzeitig aber diese Unruhe während dieser Zeit akzeptieren, denn sonst wäre ich frustriert oder verbittert geworden. Ich musste vertrauen, dass Gott mich trägt und nicht fallen lässt. Ich musste an der Zusage festhalten, dass er das beste für mich bereithält. Ich war abhängig von den Zeiten mit Gott in der Stille. Das gab mir Fokus. Ich möchte nicht  das Gefühl vermitteln, dass dieses Festhalten an Gottes Wahrheiten immer einfach für mich war. Manchmal hat es mich auch genervt, dass ich – statt mich mit Freundinnen treffen zu können – nun wieder die Ruhe suchen «musste», weil ich einfach keine Energie hatte. Ich habe manchmal auch Tränen vergossen, weil ich das alles nicht verstehen konnte. Aber Gott hat mich immer wieder aufgefangen und getröstet.

Ich durfte seine Treue auf einer neuen Ebene erleben. Er ist ein wunderbarer Vater und hat mich durchgetragen.

Durch das Ausharren und Gottes Treue hat sich der Frieden dann nach und nach ausgebreitet und die Zeiten, an denen der Frieden anwesend war, haben sich verlängert. Sodass wieder ein beständiges Wohlsein in mir ist. Halleluja!  Das ist so eine Freude für mich! Ich habe wieder Energie, fühle mich wieder wohl unter Leuten und mir geht’s viel besser. Zwar gibt es ab und zu noch Momente, in denen ich mich auf einer Gratwanderung befinde, meine Grenzen zu spät wahrnehme und wieder vermehrt Ruhezeiten einplanen muss. Aber auch hier befinde ich mich auf einem Weg und bin voller Zuversicht, dass sich die Kapazität meines «Energiespeichers» stetig vergrössert.

Ich habe gelernt, dass Gott meine Quelle ist. Während dieser Ruhe-suchenden Zeit musste ich «zwangsweise» bei Gott meine Kraft holen, damit ich ausharren konnte. Und ich habe sie erhalten, die Kraft und den Frieden. Ich bin ihm so unglaublich dankbar, dass er so treu ist. Ich durfte seine Treue auf einer neuen Ebene erleben. Er ist ein wunderbarer Vater und hat mich durchgetragen. Auch jetzt, während ich das schreibe, bin ich tief berührt und staune über seine grenzenlose Liebe. Ihm ist aller Dank! :›) Auch heute verbringe ich gerne täglich Zeit mit Gott, da ich mich in der herausfordernden Zeit daran gewöhnt habe und jeweils neu gestärkt werde.

​Und mit dieser Geschichte möchte ich dich ermutigen, mit deinen Herausforderungen zu Gott zu gehen und mit ihm auszuharren. Suche dir Bibelstellen, die Gottes Wahrheit in deine Situation bringen und sei geduldig. Gott ist immer gut und besser als wir denken. Verliere nicht das Vertrauen in seine Güte. Er lässt aus dem Schlechten viel Gutes entstehen, auch wenn dies oft nicht sofort oder manchmal sogar erst in der Ewigkeit sichtbar wird.

​Die Güte des Herrn hat kein Ende,
sein Erbarmen hört niemals auf,
​es ist jeden Morgen neu!
Gross ist deine Treue, o Herr!
​Darum setze ich meine Hoffnung auf ihn,
der Herr ist alles was ich brauche.
​Denn der Herr ist gut zu dem, der ihm vertraut und ihn von ganzem Herzen sucht.
​Klagelieder 3.22-25

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