SCHAM – LOS!

Die Scham ist wie ein Schleier oder Deckel, der verhüllt und bremst. Sie bietet sich an, wenn wir exponiert sind, um uns scheinbar verstecken zu können.

Ich kann mich gut an diese Momente in der Schule erinnern, als mir der Lehrer eine Frage stellte und mich erwartungsvoll anschaute, ich aber keine Antwort wusste. Mein Herz begann zu hämmern und mir stieg die Schamesröte in die Wangen. Mir wurde heiss und ich getraute mich kaum ein Wort zu sagen. Und wenn die Mitschüler dann noch gelacht oder Sprüche geklopft hatten, wurde es fast unerträglich und ich wollte im Boden versinken.

Was ist Scham genau?​ Wie nehme ich die Scham wahr?
Sie lähmt und hemmt. Sie ist wie ein Schleier oder Deckel, der verhüllt und bremst. Sie bietet sich an, wenn wir exponiert sind, um uns scheinbar verstecken zu können. Sie lässt uns den Mund geschlossen halten, damit wir nicht wieder in eine unangenehme Situation geraten. Manchmal fühlt sich Scham aber auch an wie eine Last, wie ein schweres Gewicht, unter dem wir uns gar nicht wohl fühlen und unter dem wir uns erst recht nicht entfalten können.

Warum gibt es die Scham?
Ich denke es gibt eine gute Scham, die berechtigt ist. Nämlich wenn wir etwas tun, das Gott nicht ehrt. Lügen beispielsweise. Sofort meldet sich unser Gewissen und wir schämen uns dafür. Diese Art von Scham ist in Ordnung und lässt uns die Chance offen, unser Fehlverhalten in Ordnung zu bringen. Sie sagt uns, dass unsere Tat nicht richtig war.
Es gibt aber auch eine schlechte Scham, die nicht berechtigt ist. Sie bezieht sich nicht auf eine Tat, sondern auf unsere Person. Und sie will uns sagen, dass wir als Person nicht richtig sind. Was kompletter Blödsinn ist! Diese Art von Scham entsteht, wenn wir merken, dass wir unserer Idealvorstellung nicht entsprechen und vielleicht sogar noch ablehnende Blicke von unserem Umfeld erhalten oder ausgelacht werden. Und auf diese unberechtigte Scham möchte ich eingehen, weil sie mich und vielleicht auch dich hindert, in unser volles Potenzial zu stehen und es voll auszuleben. Das will ich nicht zulassen! In dir steckt nichts, das zu klein oder zu gross für Gott ist und das du verstecken müsstest!

Bevor Du weiterliest, ist mir folgendes wichtig: Die Folge von Scham ist fast immer ein Rückzug, meistens auch ein Rückzug von Gott. Wir wagen uns nicht mehr, in seine heilige Gegenwart zu kommen. Das ist nie das Ziel! Sei die Scham berechtigt oder unberechtigt, wir müssen direkt in die Arme Gottes rennen! Denn er wünscht sich IMMER eine Beziehung zu uns.

Gott umarmt mein Selbstbild, bestätigt es und korrigiert liebevoll meine falschen Sichtweisen, sieht meine Wünsche und Bestrebungen und mehr noch - er sieht, was noch in mir schlummert und will es zum Leben erwecken!

Gehen wir nun auf diese Idealvorstellung ein, die anscheinend Scham auslösen kann. In meinem Kopf habe ich eine Idealvorstellung von mir: Ich bin humorvoll, schlagfertig und selbstsicher, aber auch einfühlsam und verständnisvoll. Die Leute fühlen sich wohl in meiner Gegenwart und mögen mich. Sie sind gerne mit mir zusammen. Wenn ich diese Idealvorstellung nicht erfülle, mir beispielsweise nichts passendes einfällt, das ich sagen könnte (wie in der Schule, als mir der Lehrer eine Frage stellte), fühle ich eine grosse Unzulänglichkeit und Versagen. Diese Gefühle sind so unangenehm und mein Selbstvertrauen sinkt. Davor will mich meine Scham schützen und sagt mir: «Wenn du gar nichts sagst, sagst du auch nichts falsches. Schweig jetzt besser.» Es gibt ganz viele verschiedene Idealvorstellungen von sich selber, wahrscheinlich hat jeder eine andere. Diese hohen Idealvorstellungen in unseren Köpfen können Frustration auslösen oder eben auch Scham, wenn wir unserer Vorstellung über uns nicht gerecht werden. Wir beginnen dann einen inneren Kampf, uns diszipliniert am «Riemen zu reissen». Aber können wir uns in diesen Momenten nicht einfach entspannen und die Situation dann aus der Ruhe souverän meistern? Unser Idealbild umarmen, auch wenn wir ihm nicht entsprechen und somit diese unberechtigten Schamgefühle vertreiben?

Hier drei knackige Schritte:

  1. Erkennen. Wie sieht deine Idealvorstellung über dich aus? Sieht sie ähnlich aus wie meine? Oder betrifft sie beispielsweise dein äusseres Erscheinungsbild, dass du immer schöne Kleider tragen möchtest? Wo löst dieses Idealbild Scham in deinem Leben aus? Manchmal ist es schwierig, in einer Situation überhaupt zu merken, dass es sich um Scham handelt. Scham lähmt und bremst. Wünschst du dir in einem Bereich einen Durchbruch? Könnte Scham die Ursache sein, dass dein Durchbruch noch nicht eingetroffen ist?
  2. Prüfen. Wenn du die Scham erkannt hast, frage dich folgendes: «Betrifft es meine Tat oder meine Person?» Beispielsweise habe ich übertrieben beim Erzählen einer Geschichte und dabei ist eine Person schlecht weggekommen. Im Nachhinein habe ich Schamgefühle. Diese Situation ehrt Gott nicht. Die Scham ist bezogen auf meine Tat: Ich habe übertrieben (berechtigte Scham). Ein anderes Beispiel: In meiner Weiterbildung braucht es jemanden Freiwilligen, der/die bei der Gruppenarbeit die Präsentation übernehmen soll. Ich möchte das nicht machen, weil ich denke, dass ich dann wieder rot werde und melde mich somit nicht. Die Scham ist auf meine Person bezogen: Ich kann nicht vor Leuten sprechen, ich bin nicht gut genug (unberechtigte Scham).
  3. Handeln. Bei der berechtigten Scham ist dieser Teil kürzer, da er individuell angepasst werden muss. Braucht aber nicht weniger Mut. Bei obigem Beispiel, bei dem eine Person in ein schlechtes Licht gestellt wurde, ist die Folge, dass ich das in Ordnung bringen und allenfalls ein Gespräch mit den betroffenen Personen führen sollte. So nutze ich die Scham, um einen Fehler zu beheben.
    Bei der unberechtigten Scham, folgt oftmals ein innerer Prozess. Denn ich bin noch geprägt von vergangenen Erlebnissen, habe Angst, dass ich wieder Ablehnung ernten werde. Durch Jesus bin ich erlöst, nun muss aber auch mein Selbstbild erlöst werden. Wenn ich mein Bild über mich nicht von ihm erneuern lasse, herrscht immer noch der Unglaube in mir, dass ich nicht vor Leuten sprechen kann, dass ich rot werde und Ablehnung ernte. Ich würde mit dieser Einstellung nie meine Meinung äussern oder meine Erlebnisse teilen – auch nicht in diesem Blog. Aber ich glaube, dass Gott mehr bereit hält, mehr Freiheit. Darum will ich mein Selbstbild von Gott erneuern lassen, damit ich wachsen kann und andere mit mir. Wenn ich diese Scham aus eigener Kraft überwinden möchte, wäre das unmöglich oder jedenfalls sehr, sehr anstrengend. Es ist sehr schwer, mein Selbstbild zu umarmen, es anzunehmen. Aber: Gott umarmt mein Selbstbild, bestätigt es und korrigiert liebevoll meine falschen Sichtweisen, sieht meine Wünsche und Bestrebungen und mehr noch – er sieht, was noch in mir schlummert und will es zum Leben erwecken! Weil er an mich glaubt, werde ich stark und muss mich nicht mehr schämen. Er glaubt auch an dich, er denkt gut von dir und hat viele gute Versprechen für dich! Er liebt dich und will dich nicht selber aus der Scham kriechen lassen. Gott hat die Scham schon besiegt und uns von ihrer Lähmung befreit. Glaubst du das?

Dieser innere Prozess des Erneuern des Selbstbildes, beinhaltet auch eine Veränderung unseres Denkens. Dem Abbau negativer Gedanken und Neuaufbau von Gottes Sichtweise. Die Bibel spricht auch davon:
Ich setze nicht die Waffen dieser Welt ein, sondern die Waffen Gottes. Sie sind mächtig genug, jede Festung zu zerstören, jedes menschliche Gedankengebäude niederzureissen, einfach alles zu vernichten, was sich stolz gegen Gott und seine Wahrheit erhebt. Alles menschliche Denken nehmen wir gefangen und unterstellen es Christus, dem es gehorchen muss. (2. Kor. 10.4+5)

In der Bibel finden wir viele Worte, wie Gott uns sieht. Einige von den Wahrheiten, die er uns gibt, sage ich mir täglich auf, um mich daran zu erinnern, wie Gott mich sieht und ich immer «Scham-Los-er» werde:

Ich bin:

  • befreit (Galater 5.1, Johannes 8.36)
  • erlöst (Römer 8.15)
  • verändert (Hebräer 12.27)
  • auserwählt (5. Mose 10.15)
  • berufen (Jesaja 42.6)
  • stark und siegreich (Jesaja 41.10)
  • befähigt (Psalm 28.8, Jesaja 61.1)
  • geheiligt (2. Korinther 5.17)
  • eine neue Kreation (2. Korinther 5.17)
  • geliebt (Johannes 3.16, Jeremia 31.3)
  • mir ist vergeben (2. Korinther 5.18, Psalm 65.4)

Lass uns gemeinsam frei von (ungerechtfertigter) Scham sein, frei von dieser Last. Stell dir vor, wie unsere Welt aussehen würde, wenn jeder in sein Potenzial stehen würde und somit in Gottes Plan laufen würde. Die Welt wäre noch vielfältiger, farbiger, kreativer, inspirierender und sogar liebender?
Lass uns gegenseitig unterstützen und ermutigen, damit wir uns nicht mehr für unsere Person schämen. Wir brauchen einander und in diesen inneren Prozessen sowieso! So lass uns gute Freunde und Freundinnen sein, die das beste füreinander wollen.

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