UNVERGLEICHLICH & EINZIGARTIG

Unzufriedenheit beginnt im Kopf, aber breitet sich sehr schnell durch Gefühle im ganzen Körper aus. Gefühle voller Stress und Unwohlsein.

Meine Finger liegen auf der Tastatur bereit, meine Gedanken schwarz auf weiss werden zu lassen. Aber wo soll ich anfangen? Wie soll ich es formulieren? Wieso soll ich es überhaupt schreiben? Was habe ich überhaupt zu sagen? Das interessiert doch niemanden… Im Moment geht es mir ja eh nicht gut…. Ich kann das nicht…

Und so schnell wurden die anfänglich unsicheren Fragen zu festgelegten und bestimmten Aussagen. Aussagen voller Negativität und Interpretation gegen mich selbst. Das hat mir niemand gesagt, es sind alles Gedankenwege in meinem Kopf, die automatisch abgerufen werden. Es sind Gedankenwege, die ich schon so oft gegangen bin und sich in meinem Hirn zu schnellen Autobahnen entwickelt haben. Unbewusst flitzen die Gedanken dahin. Um diese zu bremsen braucht es Willen und das volle Bewusstsein.

Solche schlechten Gedankenstrukturen waren für mich lange Normalität. Ich kannte mir gegenüber irgendwie noch nie eine positive Einstellung. Schon im Kindergarten sah ich so viele schöne und liebenswerte Kinder. Alle waren schöner, beliebter, lustiger, dünner und vieles mehr. Alles Eigenschaften, die in meinen Gedanken nicht zu mir passten, aber die ich mir so sehr gewünscht hätte. Immer wieder verglich ich meinen Charakter, meinen Stil, meine Worte und vor allem meinen Körper mit anderen. Die Folge davon war Unzufriedenheit und Unsicherheit. Ich fand immer irgendjemanden, der etwas hat, das ich nicht habe. Unzufriedenheit beginnt im Kopf, aber breitet sich sehr schnell durch Gefühle im ganzen Körper aus. Gefühle voller Stress und Unwohlsein. Aus den Gefühlen resultieren Handlungen. Schreie gegen mein Spiegelbild, Tränenausbrüche beim Kleideranprobieren, Wutausbrüche durch Unwohlsein, …

Eben, zurück zu meiner Geschichte. Alles hat schon als Kind mit dem Vergleichen angefangen. Ich hatte 0% Selbstliebe und Selbstannahme. Mein Spiegelbild erinnerte mich immer wieder, wie sehr ich mich nicht ausstehen konnte. Nur das Wissen, dass ein Gott im Himmel existiert, der mich geschaffen hat und liebt, gab mir die Kraft weiter zu leben. Aber immer wieder versuchte ich aus eigener Kraft Dinge zu verändern, in der Hoffnung, dass ich mich besser annehmen konnte. Aber jeder eigene Versuch war zum Scheitern verurteilt und ich endete in noch grösserer Unzufriedenheit, da ich nicht das erhoffte idealisierte Ziel erreicht habe.

Ich wusste genau, dass der einzige Weg Jesus ist. Aber 100% Gott zu vertrauen, dass er etwas Gutes aus mir macht, war nicht möglich, weil ich ein Ziel vor Augen hatte, welches ich erreichen wollte. Und da war die ständige Angst, dass Gott ein anderes Ziel hat und ich mit diesem nicht zufrieden sein würde.
Tief in meinem Innern wusste ich, dass es falsch ist und dass der einzige Weg Jesus ist. Nur er kann mir meinen Wert zeigen. Immer wieder betete ich um ein Wunder, weil ich einfach aus dieser dunklen tiefen Abwärtsspirale nicht mehr rauskam. Jahre vergingen und es passierte nichts. Manchmal dachte ich  sogar, Gott würde mich gar nicht sehen. War ihm ja auch nicht böse, weil ich mich ja auch nicht beachten würde, wenn ich nicht in mir drin sein müsste. So eine Lüge! Gott hat mich die ganze Zeit gesehen und sich mir auch gezeigt, aber ich war blind. Im Frühling 2018 hat er sich dann so offensichtlich und eindeutig gezeigt, dass ich nicht anders konnte als es für mich anzunehmen. Es war ein Gottesdienst, da wurden Eindrücke von Gott mitgeteilt. Der letzte Eindruck, war ein Bild. Ein Bild von einem Tulpenstrauss. Äusserlich wunderschön und innerlich total zerstört und am Boden zerstampft – unansehnlich. Sofort wusste ich, dass dieses Bild zu mir gehört und Gott mir vor Augen führt, wie ich aussehe und was ich damit mache. Das war für mich der Start in Richtung Selbstliebe, weil ich einfach lernen wollte, mich mit den Augen Gottes anzuschauen und nicht länger sein Werk zu zerstören. Ich will sehen was er in mir sieht und nicht was die Welt definiert. Ich will nicht abhängig sein von dem Idealbild, welches keine Einzigartigkeit zulässt. Wir beteten dafür, dass mein Blumenstrauss wieder zu blühen anfängt und einen neuen Frühling erleben darf.

Dieser Weg der Selbstliebe ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Gerade am Wochenende befand ich mich wieder in einem tiefen Tal. Vergleichen führte mich zu unzufriedenen Gedanken über mich selbst und ich war so tief undankbar. Aber ich bin einzigartig und dadurch nicht vergleichbar mit andern. Ich bin unvergleichlich. Ich darf anders sein. Ich bin auf meine Weise wunderschön. Wir alle dürfen in dieser wunderbar geschaffenen Einzigartigkeit aufblühen und strahlen.

Ich bin unvergleichlich. Ich darf anders sein. Ich bin auf meine Weise wunderschön.

Ich möchte gerne fünf Schritte mit dir teilen, die mich Gott Tag für Tag lernt und wie er mich weiterbringt – näher zu sich:

Was mache ich mit negativen Gedanken, Gefühlen und Handlungen?
Zuerst muss ich registrieren, dass die negativen Gedanken da sind. Ein Bewusstsein dafür gibt mir die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich ihnen glauben will oder ob ich sie als Lüge einordnen will. Negativität ist immer eine Lüge und kommt von jemandem, der zerstören will. Wenn dieser Gedanke eine Lüge ist, was ist denn die Wahrheit? Die erkannte Wahrheit immer wieder aussprechen, damit sich diese stärker verankern kann, als die vorhergehende Lüge. Für den Ausbruch aus der Negativität braucht es einen bewussten Entscheid. Ich muss es wirklich wollen. Es nützt mir nichts, wenn ich voller Selbstmitleid in der Opferrolle stehe und warte, dass mich jemand tröstet. Es klingt hart, aber Gott will, dass wir Selbstverantwortung übernehmen und stellt uns vor die Entscheidung. Wähle ich das Leben oder die Opferrolle?

Ursache bekämpfen und nicht nur die Symptome behandeln
Schmerztabletten helfen gegen Kopfschmerzen. Sobald aber die Wirkungszeit vorbei ist, kommen die Schmerzen wieder. Ist es nicht nachhaltiger zu fragen: «Weshalb habe ich Kopfschmerzen? Habe ich zu wenig getrunken? War ich zu viel an der Sonne?». Die Schmerzen wollen uns signalisieren, «trink mehr Wasser», «geh in den Schatten oder trage einen Sonnenhut»… Behandle die Ursache und unterdrücke nicht die Symptome, welche dich aufmerksam machen wollen.
Wo liegt also die Ursache für meine Unzufriedenheit, für meinen Selbsthass?
Symptombekämpfung wäre, ich kaufe mir neue Klamotten, ich optimiere meinen Tagesablauf, ich poste möglichst schöne Fotos auf Instagram… Kurzfristig macht das Freude, aber das macht mich nicht nachhaltig zufrieden. Wo liegt also die Ursache? VERGLEICHEN…
Bei mir auf Social Media, YouTube, auf der Strasse. Am Morgen stehe ich auf und das Erste was ich mache ist mein Instagramprofil zu checken und was andere so gepostet habe. Vlogs auf YouTube anzuschauen und so das interessante Leben der anderen anzuschauen. Weiter geht’s dann auf dem Weg zur Arbeit.
Ursachenbekämpfung heisst dabei, ich muss mich gleich am Morgen mit dem Richtigen beeinflussen lassen und erfüllen lassen. Gott hat mich mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass er der Erste sein möchte, der mich am Morgen prägt und mir einen Plan für den Tag gibt. Er möchte mich inspirieren und mir Motivation geben. Deshalb willigte ich in das Experiment ein, dass ich am Abend das Handy nicht neben mein Bett lege, sondern im Wohnzimmer lasse. Am Morgen, wenn ich aufstehe, gehe ich Duschen und richte mich für den Tag. Danach setze ich mich mit einem Glas Wasser aufs Sofa und bete, lese in der Bibel und verbringe Zeit mit meinem Schöpfer. Jetzt wenn ich das schreibe, bin ich an Tag zwei dieser neuen Routine. Man kann da noch nicht mal von einer Routine sprechen, aber ich möchte es dazu kommen lassen, weil es mir so gut tut. Ich fühle mich erfüllt und frisch. Ich will Gott besser kennen lernen und ich will mich kennen lernen so wie Gott mich geschaffen hat. Ich will wissen, was er über mich denkt. Ich will meine Einzigartigkeit lieben und mich annehmen wie ich bin.

Darf ich an mir arbeiten und mir Ziele setzen? Darf ich mich verändern?
Ich bin eine Perfektionistin. In mir ist immer wieder der Wunsch, mich zu optimieren und zu perfektionieren. Mein Leben, meinen Körper und meine Gedanken, meine Handlungen, meine Abläufe, …
Ich darf mich verändern, aber nicht aus einer Unzufriedenheit heraus. Gott will, dass ich mich annehme und liebe wie ich im Moment bin, denn ich kann da eh nichts in Sekundenschnelle ändern. Ich muss die nächste Zeit bis die Veränderung eintreten kann, so leben wie es ist und da wäre es sehr viel vergeudete Zeit, wenn ich diese nicht geniessen würde. Gott wünscht sich, dass ich im Moment lebe, das Leben geniesse und liebe. Gott will, dass wir aus Selbstliebe, aus einer tiefen bedingungslosen Zufriedenheit heraus, Veränderung erschaffen und diese Schritte mit ihm zusammen gehen.

«Wenn ich so aussehen würde wie du, würde ich mich auch lieben.» 
Nein, nein, nein. Das hat nichts mit dem Ist-Bild zu tun. So häufig hatte ich genau diesen Gedanken und das ist jetzt vielleicht auch dein Gedanke, wenn ich von Selbstliebe erzähle. Wir bringen das häufig zusammen in Verbindung, aber das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Gott liebt uns im Jetzt und genau das müssen wir auch tun. Liebe und Annahme kommt nicht durch das Erreichen der Ziele, sondern es ist eine Voraussetzung, dass wir überhaupt Ziele setzen können.

Dankbar, was mein Körper leistet. 
Ich will dankbar sein, dass mein Körper jeden Tag so eine grosse Arbeit leistet. Dass mein Körper mir ermöglicht, das Leben zu erleben. Wenn ich meinen Körper nicht hätte, könnte ich nicht sehen, fühlen, hören, schmecken und riechen. Ich könnte nicht laufen und springen… Ich bin dankbar für all das Gute, das mein Körper für mich tut. Da sind doch ein paar Makel nicht schlimm. Was sind schon Makel, das sind genau diese Dinge, die in der Welt nicht als Ideal angesehen werden. Aber genau diese Dinge machen mich einzigartig. Der Körper lebt, wird älter, gewinnt Lebenserfahrung und schreibt Geschichte.

Liebe Frauen und auch Männer, lasst euch von Gott eure Schönheit zeigen, denn ihr alle seid einzigartige Werke. Er schenkt dir ein Strahlen aufs Gesicht – Strahlen der Liebe für Gott, für dich und für andere; Strahlen der Annahme; Strahlen der Kraft und Sicherheit; Strahlen der Geduld wenn wir einen Umweg machen müssen; Strahlen der Freude für das Jetzt und die Zukunft; Strahlen der Dankbarkeit und Zufriedenheit. Strahlen hell, klar und warm.

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