WENN DIE VERGANGENHEIT ZUM FEIND WIRD (1/2)

Gott hat bewusst Menschen geschaffen, damit wir einander helfen können und nicht alleine durch Schwierigkeiten hindurch müssen.

Erinnerungen können wunderschön sein. Ich liebe es, Ferienfotos anzuschauen und dabei in Gedanken nochmals an diesem Strand zu spazieren, nochmals diesen Sonnenuntergang zu geniessen oder nochmals meine Füsse ins kühle Meer zu strecken und dabei erfrischt zu werden.  Oder auf dem Weg zur Arbeit erinnere ich mich gerne an das vergangene Wochenende, an die guten Gespräche mit Freunden oder an Momente, die mich zum Lachen gebracht haben. Solche Erinnerungen erfüllen mich mit Freude und Glücksgefühlen. Herausforderungen, die an diesem Tag auf mich warten, erscheinen dadurch kleiner.

Es gibt aber auch Erinnerungen, die schmerzen. Erinnerungen, die Unverständnis auslösen oder Frustration. Diese Erinnerungen können mich ablenken, den eigentlich schönen Moment im Heute zu geniessen. Ich kenne einige solcher Erinnerungen. Beispielsweise Freundschaften, die plötzlich auseinander gingen, anders als ich mir das vorgestellt hatte. Oder auch Erwartungen an mich selber, die ich nicht erfüllen konnte. Oder einfach das Leben, das sich nicht so entwickelte, wie ich mir gewünscht hatte. Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatten sich diese schmerzhaften Erinnerungen angestaut. Wenn ich damals an die Vergangenheit dachte, war sie gefüllt mit Unverständnis und Enttäuschungen. Meine Vergangenheit löste in mir Trauer und Schwermut aus. Wenn ich mich an die verschiedenen Situationen erinnerte, empfand ich eine Schwere, die mir Kraft und Lebensatem raubte. Mir fiel es manchmal richtig schwer, am Morgen aus dem Bett zu kommen. Und meine normalerweise von Visionen und von Träumen gefüllte Perspektive wurde immer träger und hoffnungsloser. Die Vergangenheit wurde zu meinem Feind. Dies wurde mir eines Tages bewusst und ich habe gemerkt, dass ich aufräumen und all das Schwere loslassen möchte. Mir wurde bewusst, dass ich die gewünschte Freiheit ohne Vergebung nicht erleben kann. Unversöhntheit hält mich in der Vergangenheit gefangen.

So traf ich mich mit einer erfahrenen Frau in Herzensangelegenheiten, einer Seelsorgerin, und sie hat mich in diesem Prozess unterstützt. Zuerst war es für mich schwierig, mir einzugestehen, dass ich da nicht alleine durchgehen kann. Aber der Heilige Geist hat mich an Gottes Aussage erinnert: «Es ist nicht gut für den Menschen, dass er alleine ist.» Gott hat bewusst Menschen geschaffen, damit wir einander helfen können und nicht alleine durch Schwierigkeiten hindurch müssen. Und dieses Wissen gab mir Kraft, bei dieser Frau um Hilfe zu bitten. In diesem Prozess konnte ich anderen Menschen vergeben, aber auch mir selber. Ich konnte mir verzeihen, dass ich mir selber so oft Druck auferlege, um meinem Selbstbild gerecht zu werden. Ich konnte mir verzeihen, dass ich mich selber oft zu hart beurteile. Während dem ich den jeweiligen Menschen und mir selber vergeben habe, habe ich richtig gefühlt, wie dieser Schmerz aus mir rausströmte und wie ich innerlich frei wurde. Dadurch wurde der Schmerz von meiner Vergangenheit getrennt.

Durch Vergebung habe ich richtig gefühlt, wie dieser Schmerz aus mir rausströmte und wie ich innerlich frei wurde. Dadurch wurde der Schmerz von meiner Vergangenheit getrennt.

Die Versöhnung war nur mein erster Schritt, die Vergangenheit loszulassen. Aber die Umsetzung und in der neugewonnenen Freiheit Schritte zu tun, war der grössere Teil in diesem Prozess. In der darauf folgenden Zeit hat mich folgende Stelle in Jesaja 61 tief berührt und mir stark geholfen:

Die Trauerzeit ist vorbei
Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen und bevollmächtigt hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen und die Verzweifelten zu trösten. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, ihre Fesseln werden nun gelöst und ihre Kerkertüren geöffnet. Ich rufe ihnen zu. «Jetzt erlässt der Herr eure Schuld!» Doch nun ist auch die Zeit gekommen, dass unser Gott mit seinen Feinden abrechnet. Er hat mich gesandt, alle Trauernden zu trösten. Vorbei ist die Leidenszeit der Einwohner Zions! Sie streuen sich nicht mehr voller Verzweiflung Asche auf den Kopf, sondern schmücken sich mit einem Turban. Statt der Trauergewänder gebe ich ihnen duftendes Öl, das sie erfreut. Ihre Mutlosigkeit will ich in Jubel verwandeln, der sie schmückt wie ein Festkleid. Wer sie dann sieht, vergleicht sie mit Bäumen, die Gott selbst gepflanzt hat. Man wird sie «Garten des Herrn» nennen, an dem er seine Grösse und Macht zeigt. Es wird alles wiederhergestellt, was vor vielen Jahren zerstört wurde und seither in Trümmern liegt. Die zerfallenen Städte, die seit Generationen Ruinen sind, werden wieder aufgebaut. Ihr werdet Priester des Herrn genannt werden, «Diener unseres Gottes» wird man euch nennen. Was die Völker besitzen, werdet ihr geniessen. Die herrlichsten Schätze der Welt werden euch gehören. Ihr sollt doppelt so viel zurückerhalten, wie die Feinde euch weggenommen haben, als sie solche Schande über euch gebracht haben. Anstatt euch weiter zu schämen, dürft ihr euch für immer freuen über euer Erbe. Der Herr sagt: «Ich liebe Gerechtigkeit und hasse Raub und Unrecht. Ich halte mein Wort und gebe den Menschen meines Volkes den Lohn, der ihnen zusteht; ich will einen Bund für alle Zeiten mit ihnen schliessen. In allen Ländern wird man ihre Nachkommen kennen und achten. Wer sie sieht, wird merken: Das ist das Volk, das der Herr gesegnet hat.» Ich freue mich über den Herrn und juble laut über meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich mit Gerechtigkeit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine Braut mit Hochzeitsschmuck. Gott, der Herr, wird uns retten und das Gute bei uns wachsen lassen, so wie auf dem Feld und im Garten die Aussaat spriesst und wächst. Alle Völker werden es sehen und uns glücklich preisen.

Ich möchte dich ermutigen, deine Vergangenheit und die Momente zu beleuchten, die vielleicht vorbei sind, die dich aber immer noch schmerzen. Gibt es noch irgendwo «wunde Punkte», die auf Vergebung warten? Durch Unversöhntheit halten wir uns nur selber in der Vergangenheit gefangen. Es sind Fesseln, die uns nicht im Hier und Jetzt leben lassen. Gott hat ein Leben in Freiheit für dich bereit, er möchte die Fesseln lösen und die Kerkertüren öffnen. Und er möchte das Gute in Dir wachsen und spriessen lassen. Bist du bereit?

Es ist keine Schwäche in diesen inneren Prozessen, die unser Herz betreffen, andere Menschen um Hilfe zu bitten. Du sprichst dir dadurch Wert zu: Du bist es wert, mehr Freiheit zu erlangen. Gott hat uns geschaffen, um miteinander Wege zu bewältigen und uns gegenseitig zu ermutigen.

Den zweiten Teil zu diesem Beitrag findest du hier.

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